Finnland

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Finnland
Suomi

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FiŐ£nn|land; -s:
Staat in Nordeuropa.

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FiŐ£nnland,
 
 
 
Fläche: 338 145 km2
 
Einwohner: (1999) 5,2 Mio.
 
Hauptstadt: Helsinki
 
Amtssprachen: Finnisch, Schwedisch
 
 
Währung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents
 
Zeitzone: 1300 Helsinki = 1200 MEZ
 
finnisch SuŐ£omi, schwedisch FiŐ£nland, amtlich SuŐ£omen TaŐ£savalta, ReŐ£publiken FiŐ£nland, Staat in Nordeuropa, liegt zu etwa einem Drittel n√∂rdlich des Polarkreises (Lappland), grenzt im Nordwesten an Schweden, im Norden an Norwegen (Finnmark), im Osten an Russland, im S√ľden (Finnisch Meerbusen) und Westen (Bottnischer Meerbusen) an die Ostsee; zu Finnland geh√∂ren die 40 km vor der schwedischen K√ľste in der Ostsee gelegenen √Ölandinseln (eine finnische Provinz mit weitgehender Autonomie); Gesamtfl√§che 338 145 km2, davon fast 10 % (33 522 km2) Binnenseen. Finnland hat (1999) 5,165 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Helsinki, Amtssprachen sind Finnisch und Schwedisch. W√§hrung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents. Zeitzone: Osteuropische Zeit (1300 Helsinki = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Die am 4. 6.1999 beschlossene und am 1. 3. 2000 in Kraft gesetzte Verfassung bestimmt Finnland als parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der auf sechs Jahre direkt gew√§hlte Pr√§sident (einmalige Wiederwahl m√∂glich). Erreicht im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, kommt es im zweiten Wahlgang zur Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Gegen√ľber der Verfassung von 1919 (revidiert 1991) begrenzt die neue Verfassung die Amtszeit des Pr√§sidenten auf zwei Amtsperioden und schr√§nkt seine fr√ľher umfassenden Befugnisse (v. a. die Richtlinienkompetenz in der Au√üenpolitik) zugunsten von Parlament und Regierung ein. Der Pr√§sident ist Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte, ernennt die Richter des Obersten Gerichtshofes und √ľbt das Begnadigungsrecht aus. Tr√§ger der Legislative ist der Reichstag (Eduskunta beziehungsweise Riksdag), ein Einkammerparlament, dessen 200 Abgeordnete f√ľr vier Jahre nach dem Verh√§ltniswahlrecht gew√§hlt werden. Aktives und passives Wahlrecht beginnen mit dem 18. Lebensjahr. Die vom Parlament verabschiedeten Gesetze sind dem Pr√§sidenten zuzuleiten, der sie mit seiner Unterschrift in Kraft setzt. Die Exekutive liegt bei der Regierung (Staatsrat) unter Vorsitz des vom Parlament gew√§hlten Ministerpr√§sidenten; die Minister werden vom Pr√§sident in √úbereinstimmung mit dem Ministerpr√§sidenten√§s ernannt. Ein vom Parlament gew√§hlter Ombudsmann und der vom Pr√§sident ernannte Justizkanzler wachen √ľber die Einhaltung der Gesetze durch die Beh√∂rden.
 
Parteien:
 
Finnland verf√ľgt traditionell √ľber ein Vielparteiensystem. Auf der linken Seite des Parteienspektrums stehen v. a. die Sozialdemokratische Partei (SDP; gegr√ľndet 1899) und der Linksbund (VAS; gegr√ľndet 1990). Die 1906 als Agrarunion konstituierte Zentrumspartei (Kesk) entwickelte sich zu einer Partei der Mitte, die nicht mehr nur b√§uerliche, sondern auch st√§dtisch-b√ľrgerlichen Interessen vertritt. Die Nationale Sammlungspartei (KOK; gegr√ľndet 1918) ist eine gem√§√üigt konservative Partei, die f√ľr freies Unternehmertum und Privatinitiative eintritt. Die Schwedische Volkspartei (SFP/RKP; gegr√ľndet 1906) vertritt traditionell die Interessen der schwedischen Minderheit in Finnland. Weitere einflussreiche Bewegungen und Parteien sind die Gr√ľnen, die Christliche Union (SKL; gegr√ľndet 1958), die Finnische Landvolkpartei (SMP; 1959 von der Zentrumspartei abgespalten) und die liberale Jungfinnenpartei.
 
 
Wichtige Gewerkschaftsverb√§nde sind die aus 25 Einzelgewerkschaften bestehende Zentralorganisation der finnischen Gewerkschaften (SAK), der Zentralverband der Vereinigungen f√ľr akademische Berufe (AKAVA) und der Zentralverband der Gewerkschaften der technischen Angestellten (STTK).
 
 
Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Wappen geht zur√ľck auf eine Vorlage am Grabmal K√∂nig Gustavs I. Wasa von Schweden im Dom von Uppsala. Es zeigt in rotem, mit neun silbernen Rosen (Symbol f√ľr die traditionellen finnischen Provinzen) bestreutem Feld einen L√∂wen (wohl aus dem L√∂wenwappen der schwedischen Folkungerdynastie), der mit den Hinterbeinen ein russisch-orientalisches Krummschwert niedertritt und mit der rechten Vorderpranke (dargestellt als geharnischter Menschenarm) ein ¬Ľeurop√§isches¬ę Schwert h√§lt.
 
Nationalfeiertage:
 
Der 6. 12. erinnert an die Proklamation der Unabhängigkeit 1917.
 
 
Finnland ist in 5 Provinzen (L√§√§ni, schwedisch L√§n) gegliedert, denen jeweils ein vom Pr√§sident ernannter Landeshauptmann (Maaherra, schwedisch Landsh√∂vding) vorsteht. Unterhalb der Provinz-Ebene bestehen 19 Regionen mit je einem Regionalrat an der Spitze. Von den 452 Bezirken mit Selbstverwaltungs- und Steuererhebungsrechten sind 67 st√§dtisch, 70 halbst√§dtisch und 315 l√§ndlich eingestuft. Die autonomen schwedischsprachigen √Ölandinseln haben einen eigenen Landtag (Landsting) und als Exekutive einen Landschaftsrat, dessen Vorsitzender (Landsh√∂vding) dem Landeshauptmann der √ľbrigen Provinzen entspricht.
 
 
Das finnische Rechtssystem ist nach schwedischem Vorbild aufgebaut. Oberste Gerichte sind der Oberste Gerichtshof und der Oberste Verwaltungsgerichtshof in Helsinki; beide sind jeweils mit einem vom Pr√§sidenten der Republik ernannten Gerichtspr√§sidenten und 21 weiteren Richtern besetzt. Auf der unteren Stufe bestehen Berufungsgerichte in Turku, Vaasa, Kuopio, Helsinki, Kouvola und Rovaniemi. Unterste Instanzen bilden die mit einem Richter und 5-7 Sch√∂ffen besetzten Landbezirksgerichte und die Stadtgerichte, die aus dem B√ľrgermeister und zwei Beisitzern bestehen. Oberstes Aufsichtsorgan √ľber Beh√∂rden ist der Justizkanzler (Oikeuskansleri), dem auch die √úberpr√ľfung der Gesetzesvorlagen der Regierung auf ihre Verfassungsm√§√üigkeit obliegt. Der vom Reichstag ernannte Ombudsmann sorgt f√ľr die Gesetzm√§√üigkeit von Rechtsprechung und Beh√∂rden im Verh√§ltnis zum B√ľrger.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 8-11 Monate) betr√§gt 33 000, die des paramilit√§rischen Grenzschutzes 3 500 Mann. Hauptelement des Heeres (27 000 Soldaten) sind acht Infanteriebrigaden, die im Frieden zu einem Drittel pr√§sent sind. Hinzu kommt eine Panzerbrigade und in Regimentern zusammengefasste Artillerie- und Flugabwehrtruppenteile. Luftwaffe und Marine haben je 3 000 Mann. Die Ausr√ľstung umfasst im Wesentlichen 230 Kampfpanzer (davon 160 T-72, der Rest T-55), 56 Kampfflugzeuge (15 MiG-21 und 41 J-35 Draken, die jedoch schrittweise durch moderne F-18 ersetzt werden sollen), eine gr√∂√üere Anzahl zum Teil bewaffneter Trainingsflugzeuge, zwei Fregatten sowie 29 Kleine Kampfschiffe. - Das Land, das 1994 der ¬ĽPartnerschaft f√ľr den Frieden¬ę der NATO beitrat und seit 1995 Beobachterstatus bei der Westeurop√§ischen Union (WEU) hat, verwendet etwa 5 % der Staatsausgaben f√ľr die Verteidigung.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
In geologischer, klimatischer und pflanzengeographischer Hinsicht ist Finnland ein √úbergangsgebiet vom gebirgigen n√∂rdlichen Skandinavien zum osteurop√§ischen Flachland. Geologisch geh√∂rt das Land zum pr√§kambrisch gefalteten, zu Beginn des Pal√§ozoikums gehobenen und abgetragenen Festland Fennoskandia (Baltischer Schild), das aus Graniten, Gneisen, Glimmerschiefern, Quarziten und anderen Tiefengesteinen aufgebaut ist. W√§hrend des Pleistoz√§ns unterlag die Landfl√§che der √úberformung durch Gletschermassen, die das ganze Gebiet Finnlands bedeckten, einerseits den Gesteinsuntergrund abhobelten (Rundh√∂cker) und aussch√ľrften (Seen), andererseits das mitgef√ľhrte Gesteinsmaterial in Form von Mor√§nen, verstreut vorkommenden erratischen Bl√∂cken, Osern, Sandern und Tonen ablagerten. Besonders reich an Seen ist der S√ľden des Landes (Finnische Seenplatte), insgesamt rd. 60 000; die wichtigsten sind Saimaa und P√§ij√§nne. Nach S√ľdosten wird die Seenplatte durch den aus zwei und stellenweise aus drei parallelen R√ľcken gebildeten Endmor√§nenzug des Salpausselk√§ begrenzt. Die Kolih√∂hen im Osten erreichen 347 m √ľber dem Meeresspiegel. Die K√ľstenebene, besonders im S√ľden und S√ľdwesten mit zahlreichen vorgelagerten Inseln und Sch√§ren (Hauptarchipel sind die √Ölandinseln), wird von glazialen und postglazialen Ablagerungen eingenommen. Nach Norden steigt das Gel√§nde vom Flachland zum H√ľgelland an, Moore und S√ľmpfe treten auf, die Zahl der Seen nimmt ab. Die h√∂chsten H√∂hen erreicht das Relief in Lappland im Nordwesten (Haltiatunturi 1 328 m √ľber dem Meeresspiegel, h√∂chster Berg Finnlands) und im Norden des Landes mit seinen eisgeformten Quarzitr√ľcken und in isolierten Bergen (Pyh√§tunturi 540 m √ľber dem Meeresspiegel). In dieser Region liegt der Inari, der drittgr√∂√üte See Finnlands, von dessen Becken der Maanselk√§ mit H√∂hen bis 718 m √ľber dem Meeresspiegel in s√ľd√∂stlicher Richtung verl√§uft und die Wasserscheide zwischen Ostsee und Nordpolarmeer bildet.
 
 
Finnland hat durch den Einfluss des Meeres und des Golfstroms ein verh√§ltnism√§√üig mildes Klima, durchschnittlich um 6 ¬ļC w√§rmer als auf gleichen Breiten au√üerhalb Europas. Mittlere Jahrestemperatur in Helsinki: 5,4 ¬ļC. W√§rmster Monat (w√§rmer als in den s√ľdlichen Randgebieten Skandinaviens) ist der Juli mit einem Mittelwert von 14,5 ¬ļC, k√§ltester Monat der Februar mit ‚ÄĒ9 ¬ļC (Nordfinnland ‚ÄĒ12 ¬ļC). Die Winter sind durch kontinentale Klimaeinfl√ľsse kalt und schneereich (sichere Schneelagen der Skigebiete Lahti, Puijo, Koli u. a.). F√ľr 5-8 Monate sind die Seen und K√ľstengebiete zugefroren. Mithilfe von Eisbrechern werden die H√§fen von Turku, Hanko und Helsinki offen gehalten. Die lange winterliche Dunkelheit wird durch die Schneedecke und das Auftreten von Polarlichtern nur wenig gemildert, im Sommer ist dagegen die Tagesdauer lang (S√ľdfinnland 19 Stunden, in Nordfinnland bis zu 65 Tage Polartag). - Die Niederschl√§ge schwanken zwischen 700 mm und mehr im S√ľdwesten und unter 400 mm im N.
 
 
Finnland ist das waldreichste Land Europas (√ľber 66 % der Fl√§che; v. a. Fichte und Kiefer, daneben Wei√ü-, Moor- und Fjellbirke, Grauerle, Espe u. a.). W√§lder und Moore bedecken 74 % der Landfl√§che. Nadelw√§lder reichen zwar bis an die Nordgrenze, jedoch sind oberhalb der im Norden bis auf 300 m √ľber dem Meeresspiegel absinkenden Waldgrenze tundren√§hnliche Formationen mit arktoalpiner Flora verbreitet.
 
 
Sie besteht zu 94 % aus Finnen, gr√∂√üte Bev√∂lkerungs-Minorit√§t sind die Schweden (u. a. auf den √Ölandinseln, in S√ľdwestfinnland und in √Ėsterbotten); die samische (lappische) Bev√∂lkerung im n√∂rdlichen Finnland wird mit 5 000 bis 7 000 angegeben. Nur noch f√ľr einen kleineren Teil der Samen (Lappen) bildet die Rentierhaltung die materielle Basis. Finnland hat eine durchschnittliche Bev√∂lkerungsdichte (1999) von 15 Einwohner je km2; in Nordfinnland sinkt sie auf 2,0 Einwohner je km2, in S√ľdfinnland steigt sie vielerorts auf √ľber 120 Einwohner je km2. Das Bev√∂lkerungswachstum lag zwischen 1990 und 1998 durchschnittlich bei 0,5 % j√§hrlich. Seit 1981 hat sich der traditionelle Auswanderer√ľberschuss (u. a. nach Schweden) in einen positiven Wanderungssaldo gewandelt. Es gibt eine starke Landflucht, verbunden mit zunehmender Verst√§dterung und einem allgemeinen Zug nach S√ľden; in st√§dtischen Siedlungen leben (1998) 64 % der Bev√∂lkerung, allein im Gro√üraum Helsinki etwa 21 %. Die meisten St√§dte (zum gro√üen Teil kleine Mittelst√§dte) liegen an der K√ľste. Das Siedlungsbild des weiten Landes wird von Einzelh√∂fen und kleinen, dorfartigen Siedlungen bestimmt. - Der weitaus gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung spricht als erste Sprache Finnisch, das erst seit 1863 neben Schwedisch (1990: 6,0 %) Amtssprache ist; daneben gibt es eine geringe Zahl von Samisch und Russisch sprechenden Finnen.
 
 
Die Verfassung bestimmt den Staat als ¬Ľkonfessionslos¬ę; die Religionsfreiheit ist durch ein eigenes Gesetz garantiert. Rd. 90 % der Bev√∂lkerung sind Christen; davon geh√∂ren rd. 88 % der Evangelisch-Lutherischen Kirche und rd. 1,2 % der orthodoxen Kirche an. Die Finnische Evangelisch-Lutherische Kirche (¬ĽSuomen Evangelis-Luterilainen Kirkko¬ę) umfasst acht Bist√ľmer. Der Erzbischof von Turku ist Primus inter Pares (der anderen Bisch√∂fe) und leitet die alle f√ľnf Jahre zusammentretende gesetzgebende Kirchenversammlung. - Die Finnische Orthodoxe Kirche, seit der Unabh√§ngigkeit Finnlands selbst√§ndig, erlangte 1957 die Anerkennung ihrer Autonomie durch das Moskauer Patriarchat. Sie umfasst drei Eparchien (Bist√ľmer) und wird durch den ¬ĽErzbischof von Karelien und ganz Finnland¬ę als Ersthierarchen geleitet. Neben der lutherischen Kirche ist sie die zweite Nationalkirche Finnlands. Etwa 1 % der Bev√∂lkerung geh√∂ren verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften an (Adventisten, Baptisten, Methodisten, Pfingstkirchen u. a.). Die katholische Kirche (Bistum Helsinki) hat rd. 5 800 Mitglieder. Weiterhin bestehen zwei j√ľdische Gemeinden (Helsinki, Turku) mit etwa 1 000 Mitgliedern Etwa 9 % der Bev√∂lkerung sind konfessionslos.
 
 
Vom 7. bis 16. Lebensjahr besteht allgemeine Schulpflicht; die neunj√§hrige Gesamtschulzeit umfasst eine erste Stufe (sechs Jahre) f√ľr alle und eine differenzierte zweite Stufe (drei Jahre) mit berufsvorbereitenden und allgemein bildenden Formen. An diese schlie√üen sich eine dreij√§hrige gymnasiale Oberstufe oder eine bis zu f√ľnf Jahren dauernde Berufsfachschule an. Die Alphabetisierungsquote betr√§gt 99 %. Finnland verf√ľgt √ľber ein dichtes Netz von Hochschulen (21). Stark ausgebaut ist das Volkshochschulwesen (berufliche Weiterbildung).
 
 
Presse:Es erscheinen 56 Tageszeitungen, davon acht in schwedischer Sprache. Wichtige Bl√§tter in der Hauptstadt sind die landesweit verbreiteten ¬ĽHelsingin Sanomat¬ę (Auflage 454 000 Exemplare) mit dem Kaufblatt ¬ĽIlta-Sanomat¬ę (212 000) sowie ¬ĽIltalehti¬ę (122 500), ¬ĽMaaseudun Tulevaisuus¬ę (92 000) und ¬ĽKaleva¬ę (84 000), ferner das schwedischsprachige ¬ĽHufvudstadsbladet¬ę (55 000). Verbreitete Provinz-Zeitungen sind ¬ĽAamulehti¬ę (135 000) in Tampere und ¬ĽTurun Sanomat¬ę (115 000) in Turku. - Nachrichtenagentur: Oy Suomen Tietotoimisto-Finska Notisbyr√•n Ab (Abk√ľrzung SST-FNB), Sitz: Helsinki. - Rundfunk: Die 1926 gegr√ľndete, seit 1934 staatliche H√∂rfunk- und Fernsehgesellschaft ¬ĽOy Yleisradio¬ę (YLE), Sitz: Helsinki, unterliegt parlamentarischer Kontrolle. Es werden drei H√∂rfunkprogramme in finnischer und zwei in schwedischer Sprache sowie ein samischsprachiges Programm und ein Auslandsdienst verbreitet, au√üerdem zwei landesweite Fernsehprogramme. Die private Fernsehgesellschaft MTV sendet ein eigenes Programm √ľber ein YLE geh√∂rendes Netz; au√üerdem k√∂nnen Programme aus Schweden empfangen werden. Dar√ľber hinaus gibt es zahlreiche private Lokalradios, Fernsehstationen sowie Kabelfernsehen.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Finnland zählt mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1994) 18 850 US-$ zu den europäischen Staaten mit sehr hohem materiellem Wohlstand, es liegt aber deutlich hinter den anderen skandinavischen Staaten.
 
Das finnische Wirtschaftssystem ist marktwirtschaftlich orientiert. Eine Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsposition brachte Finnland ab 1989 die schlimmste Rezession seit 50 Jahren. Das BIP fiel 1990-93 um 13,5 %. Erst 1994 konnte wieder ein Wachstum (+ 3,9 %) verzeichnet werden, wobei dieser Aufschwung haupts√§chlich auf ein hohes Produktivit√§tswachstum in den exportorientierten Branchen (Metall-, Papier-, Elektroindustrie) beruht. Die Folgen der Rezession: hohe Arbeitslosigkeit (1994: 18,4 %) und hohe Staatsverschuldung (1994: rd. 60 % des BIP). Allerdings konnte Finnland die hohen Inflationsraten der 80er-Jahre auf unter 2 % (1994) dr√ľcken. Auch die Leistungsbilanz ist wieder positiv; sie wies 1994 einen √úberschuss von 5,6 Mrd. Fmk nach einem Verlust von 4,7 Mrd. Fmk im Vorjahr auf.
 
Finnland ist ein moderner Industriestaat. Von den 1,9 Mio. Erwerbst√§tigen waren (1993) 8,8 % in Land- und Forstwirtschaft (Bergbau eingeschlossen), 25,5 % im produzierenden Gewerbe, 14,5 % in Handel und Gastgewerbe sowie 51,2 % im √ľbrigen Dienstleistungsbereich t√§tig.
 
 
Aufgrund der klimatischen Verh√§ltnisse werden nur 7,2 % der Gesamtfl√§che als Ackerland genutzt (1990: 2,44 Mio. ha). Die fruchtbarsten Gebiete liegen im S√ľden und S√ľdwesten, d. h. in den marinen Sedimentationsbereichen. Hauptanbauprodukte sind Kartoffeln, Hafer, Gerste und Weizen. In der Viehwirtschaft werden 70 % des Agrareinkommens erzielt, wobei die Milchwirtschaft dominiert; aber auch Rentier- und Pelztierhaltung (Nerze, Blau- und Silberf√ľchse) sind gerade in der Peripherie von Bedeutung.
 
Im Zeitraum 1984-90 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 2,2 % zur√ľckgegangen, wobei insbesondere Hofstellen bis 20 ha betroffen waren. Im Zuge der EU-Mitgliedschaft seit 1995 steht die finnische Landwirtschaft vor erheblichen Umstrukturierungsma√ünahmen.
 
 
Die gesamte Waldfl√§che betr√§gt 23 Mrd. ha (mehr als 66 % der Gesamtfl√§che); davon werden 21 Mio. ha (0,9 %) f√ľr die Holzproduktion zu gewerblichen Zwecken genutzt. Der Holzvorrat liegt bei 1,9 Mrd. m3, wobei in der 2. H√§lfte der 80er-Jahre aufgrund intensiver forstwirtschaftlichen Ma√ünahmen ein durchschnittlicher j√§hrlicher Zuwachs der Waldbest√§nde von 79 Mio. m3 erreicht wurde. Die Holz- und Papierindustrie ist eine der wichtigsten finnischen Exportbranchen. Weltweit ist Finnland nach Kanada der zweitgr√∂√üte Papier- und Kartonexporteur.
 
 
In der Fischwirtschaft wurden 1993 152 500 t Fische gefangen; davon 51 % Heringe.
 
 
Wenn auch der Bergbau in den 60er- und 70er-Jahren forciert wurde, so hat Finnland im weltweiten Vergleich nur relativ geringe mineralische Vorkommen; 1991 wurden 11 700 t Kupfererz, 55 500 t Zinkerz und 9 900 t Nickelerz abgebaut. Dar√ľber hinaus gibt es u. a. Vanadiumlagerst√§tten, titanhaltiges Eisenerz, Silber- und Goldvorkommen sowie Schwefelkies und geringhaltiges Phosphorerz. In den 80er-Jahren wurden zwei gro√üe Kaolinvorkommen entdeckt, deren Umfang auf rd. 10 Mio. t Rohkaolin gesch√§tzt wird.
 
 
Finnland hat aufgrund seiner geographischen Lage, seiner Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur einen √ľberdurchschnittlichen Energieverbrauch, n√§mlich 5,5 toe (Tonnen Erd√∂l√§quivalent) pro Kopf j√§hrlich. Da es keine Erd√∂l-, Erdgas- oder Kohlevorkommen gibt, ist das Land ma√ügeblich auf Energieimporte angewiesen. Einheimische Energietr√§ger (Wasserkraft, Atomenergie, Holz- und Torfverbrennung) decken nur 31 % der Nachfrage. Die umstrittene Frage nach einem Ausbau der Kernkraftkapazit√§t wurde 1993 durch Parlamentsbeschluss abgelehnt. Wichtigste √Ėllieferanten waren 1993 Norwegen, Gro√übritannien und die Russische F√∂deration. Erdgas wird ausschlie√ülich aus Russland bezogen, Kohle besonders aus Polen. Der Anteil des Erd√∂ls am Gesamtenergieverbrauch betrug 1993 knapp 28 %; es folgten Atomkraft (15,5 %), Wasserkraft (11,1 %), Kohle (10,3 %), Erdgas (8,4 %) und Torf (4,2 %). Das gr√∂√üte finnische Torfkraftwerk bei Jyv√§skyl√§ produziert 80 MW Elektrizit√§t und 120 MW Fernw√§rme.
 
 
In der Industrie dominieren die Holzverarbeitung (S√§gewerke, Herstellung von Papier, Pappe, Zellstoff, Fertigh√§usern, M√∂beln) und die Metallindustrie (Erzverh√ľttung und Metallverarbeitung, Maschinen-, Fahrzeug-, Schiffbau, elektrotechnische und elektronische Industrie). Die Holzindustrie (Schwerpunkt Mittelfinnland) mit einer wachsenden Zahl von Endprodukten erbringt knapp 6 %, w√§hrend der Zellstoff- und Papiersektor mit knapp 13 % zur gesamten Wertsch√∂pfung der Industrie beitr√§gt. Der Anteil der Holz verarbeitenden Industrie am Gesamtexport betrug 1993 rd. 38 %; er lag damit an 2. Stelle hinter den Produkten der Metall verarbeitenden Industrie. Andere wichtige Industriesektoren sind die chemische Industrie mit Erd√∂lraffinerien (Anteil 10 %), die Nahrungsmittelindustrie (8 %), die Textil- und Lederindustrie (5 %) sowie die Glas- und Keramikindustrie. Finnlands Industrieprodukte werden weltweit gesch√§tzt wegen ihrer Qualit√§t und des Designs, besonders bei Konsum- und Luxusartikeln.
 
 
Im Dienstleistungssektor waren 1993 rd. 66 % aller Erwerbst√§tigen besch√§ftigt. Auch der Beitrag dieses Sektors am BIP nimmt kontinuierlich zu, v. a. als Folge der √ľberproportional wachsenden Bereiche Banken, Versicherungen und Kommunikation. Zunehmende Bedeutung gewinnt der Tourismus, 1994 wurden 3,3 Mio. √úbernachtungen von Ausl√§ndern registriert.
 
 
Die Handelsbilanz entwickelte sich seit Mitte der 80er-Jahre, unterbrochen durch die beiden Rezessionsjahre 1989 und 1990, positiv. 1994 standen Einfuhren im Wert von 121 Mrd. Fmk Ausfuhren von 154 Mrd. Fmk gegen√ľber. Haupteinfuhrprodukte sind Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse sowie Fahrzeuge (Anteil am Importwert 1991: 34,7 %), mineralische Brennstoffe (13,3 %), bearbeitete Waren (14,8 %) und chemische Erzeugnisse (11,6 %). Die wichtigsten Exportg√ľter waren 1991 bearbeitete Waren mit 43,7 %, darunter Papier und Pappe mit 26,4 % sowie Eisen und Stahl mit 6,3 %. Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge hatten einen Anteil von 27,4 %, Rohstoffe 9,3 %, chemische Erzeugnisse 6,9 % am Export. Wichtigste Importeure finnischer Waren waren 1991 die EG mit 49,6 %, Schweden 13,6 %, die USA 6,1 %, die Russische F√∂deration 4,8 %. Die bedeutendsten Lieferanten nach Finnland waren wiederum die EG mit 45,5 %, gefolgt von Schweden (12 %), der Russischen F√∂deration (8,5 %), den USA (6,8 %) und Japan (6 %).
 
Verkehr:
 
Gro√üe Entfernungen und das harte Klima haben dem Eisenbahn- und Luftverkehr zu ihrer √ľberragenden Bedeutung verholfen. Das Streckennetz der Eisenbahn belief sich 1994 auf 5 859 km; von diesen waren 1 867 km (31,9 %) elektrifiziert. Das Streckennetz ist in russischer Breitspur (1 524 mm) ausgelegt. Das Stra√üennetz hat (1995) eine L√§nge von 79 166 km. Die Pkw-Dichte hat sich von 256 (1980) auf 367 (1994) je 1 000 Einwohner erh√∂ht. Das Binnenschifffahrtsnetz umfasst etwa 6 500 km Wasserstra√üen. Eine gewisse Bedeutung besitzt noch die Holzfl√∂√üerei, f√ľr die 9 400 km Wasserwege zur Verf√ľgung stehen. √úber den Saimaakanal, der 1983 von der ehemaligen UdSSR an Finnland verpachtet wurde (Verkehr 1994: rd. 1,6 Mio. t), ist ein Teil S√ľdostfinnlands mit Russland verbunden. Wichtige Seeh√§fen (Gesamtumschlag 1994: 96,6 Mio. t) besitzen Porvoo (Erd√∂lhafen Sk√∂ldvik), Helsinki, Kotka, Hamina, Naantali und Rauma. Da sie im Winter zufrieren, sind die meisten Finnland anlaufenden Schiffe mit besonders verst√§rkten R√ľmpfen versehen, die dem Eis besser widerstehen k√∂nnen. Au√üerdem verf√ľgt Finnland √ľber sehr leistungsf√§hige Eisbrecher. Die finnische Handelsflotte hat sich bez√ľglich der Tonnage von 1980 (487 Schiffe mit 2,4 Mio. BRT) bis 1993 (493 Schiffe mit 1,4 Mio. BRT) stark reduziert. Zwischen dem s√ľdfinn. Hafen Hanko und L√ľbeck-Travem√ľnde besteht Eisenbahnf√§hrverkehr f√ľr G√ľterwagen, zwischen Helsinki und Travem√ľnde verkehren Auto-Passagier-F√§hren, nach der Wende auch zwischen Finnland und Russland sowie den baltischen Staaten. Das finnische Luftfahrtnetz geh√∂rt zu den dichtesten in Europa; 21 Flugpl√§tze werden im Linienverkehr angeflogen. Die Finnair O/Y, gr√∂√üte staatliche Luftverkehrsgesellschaft, bef√∂rderte zusammen mit der staatlichen Gesellschaft Kar-Air und einigen kleinen Gesellschaften 1991 rd. 4 Mio. Passagiere, davon 45 % im Auslandsverkehr. Wichtigster Flughafen ist Helsinki-Vantaa mit (1995) 7,2 Mio. Flugg√§sten.
 
 Geschichte:
 
Zur Vor- und Fr√ľhgeschichte Nordeuropa.
 
Teil des schwedischen Reiches:
 
In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten drangen finnische St√§mme vom Baltikum und aus dem Osten kommend in das noch weitgehend unerschlossene Gebiet des heutigen S√ľd- und Mittelfinnland ein (Finnen). Nach ersten Missionierungsversuchen von Schweden aus begann in der Mitte des 12. Jahrhunderts die planm√§√üige Christianisierung Finnlands durch schwedische Missionare. Gleichzeitig geriet das Land auch politisch unter schwedischer Einfluss. 1249 (nach anderen Angaben 1238/39) erkl√§rte Birger Jarl das heutige H√§me zum Teil des schwedischen Reichs. In einem Kreuzzug wandte sich Schweden 1293 gegen die Einflussversuche griechisch-orthodoxer M√∂nche, die von Nowgorod kommend in Karelien missionierten. Im Frieden von N√∂teborg (heute Petrokrepost) wurde 1323 erstmals die finnische Ostgrenze zwischen Schweden und Nowgorod festgelegt. Unter K√∂nig Gustav I. Wasa f√∂rderte M. Agricola mit seiner Bibel√ľbersetzung die Verbreitung des lutherischen Glaubens und trug gleichzeitig zur Ausformung der finnischen Schriftsprache bei. Im 1581 zum Gro√üf√ľrstentum erhobenen Finnland, das de facto jedoch wie eine schwedische Provinz verwaltet wurde, drangen schwedische Kolonisten st√§ndig weiter nach Norden und Osten vor. Das Moskauer Reich erkannte 1595 die entstandene Grenze bis zum Eismeer an und sah sich nach kriegerischen Auseinandersetzungen 1617 gezwungen, Ingermanland und einen Teil Kareliens an Finnland abzutreten. Unter dem schwedischen Generalgouverneur Graf Per Brahe (* 1602, ‚úĚ 1680) erlebte das Land eine wirtschaftliche und kulturelle Bl√ľtezeit (u. a. Gr√ľndung der Universit√§t Turku).
 
Im 2. Nord Krieg war Finnland 1713-21 von Russland besetzt, das sich im Frieden von Nystad 1721 den zu Finnland geh√∂renden Teil Kareliens mit Wyborg sicherte. Im folgenden schwedisch-russischen Krieg konnte Russland sein Ziel, die Errichtung eines eigenst√§ndigen finnischen Staates unter russischer Oberherrschaft, nicht durchsetzen, erhielt allerdings im Frieden von Turku 1743 weitere Teile im S√ľdosten von Finnland (bis zum Kymijoki) zugesprochen. Nach 1743 verst√§rkte sich der schwedische Druck auf Finnland; zunehmend gewann jedoch auch das Gef√ľhl f√ľr die finnische Eigenst√§ndigkeit an Boden. W√§hrend der schwedisch-russischen Feindseligkeiten 1788-90 zeigten sich im Anjalabund erste nationale Selbstst√§ndigkeitsbewegungen, doch blieben diese vorerst auf Offiziers- und kleine Kreise des Adels beschr√§nkt.
 
Autonomes russisches Gro√üf√ľrstentum:
 
Im 1807 in Tilsit abgeschlossenen B√ľndnis zwischen Zar Alexander I. und Napoleon I. grenzten Russland und Frankreich ihre Interessensph√§ren in Europa ab, wobei Finnland an Russland fiel. Russische Truppen eroberten 1808 das Land. Im Frieden von Fredrikshamn musste Schweden 1809 auf Finnland verzichten. Am 29. 3. 1809 erkl√§rte Alexander I. auf einem Landtag Finnland zu einem autonomen Gro√üf√ľrstentum innerhalb des Russischen Reiches und best√§tigte die zugunsten Finnlands erlassenen schwedischen Grundgesetze von 1772 und 1789. Die Regierung wurde unter Mitwirkung des Landtags vom Kaiser eingesetzt. Senatspr√§sident war der russische Generalgouverneur Ein finnischer Staatssekret√§r erledigte in Sankt Petersburg die Regierungsgesch√§fte Finnlands und hatte Vortragsrecht beim Kaiser. Helsinki wurde 1812 vom Kaiser zur Hauptstadt erhoben.
 
In der 1. H√§lfte des 19. Jahrhunderts stagnierte infolge der restaurativen Politik Zar Nikolaus' I. die staatliche Entwicklung Finnlands. Zar Alexander II. (1855-81) leitete eine Zeit nationaler Reformen ein, die durch die geistigen F√ľhrer der nationalfinn. Bewegung vorbereitet waren, die besonders f√ľr das Finnische als Amts-, Schul- und Literatursprache eintraten. Diese sahen mit J. V. Snellman und Y. S. Yrj√∂-Koskinen an der Spitze ihr Ziel in einem eigenst√§ndigen finnischen Nationalstaat, von dem die radikal-finnische Partei der ¬ĽFennomanen¬ę - als ihr Exponent galt E. L√∂nnrot - die in Finnland lebenden Schweden ausgeschlossen sehen wollte. Gegen die nationalistischen Ansichten dieser Gruppe traten die ¬ĽSvekomanen¬ę auf, die die Meinung vertraten, Schweden und Finnen m√ľssten gemeinsam russischen √úbergriffen in Finnland entgegentreten. Das Sprachreskript von 1863 legte die Gleichstellung der finnischen Sprache mit der schwedischen von 1883 an fest. 1865 erhielt Finnland eine eigene M√ľnze, seit 1869 trat der Landtag wieder regelm√§√üig zusammen, 1878 wurde Finnland mit der Einf√ľhrung der Wehrpflicht eine eigene Armee zugestanden. W√§hrend bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts die schwedischsprachige Oberschicht der Tr√§ger der Kultur gewesen war, entwickelte sich jetzt eine finnischsprachige Intelligenzschicht, teils aus den nationalfinnisch gesinnten, bisher schwedischsprachigen, teils aus der finnischen, meist l√§ndlichen Bev√∂lkerung, der durch den Ausbau des Schul- und Hochschulwesens, die Gr√ľndung eines finnischen Theaters (1872) u. √Ą. der Weg zur geistigen Weiterbildung ge√∂ffnet wurde.
 
Unter Alexander III. (1881-94) setzte eine Russifizierungspolitik ein, die im ¬ĽFebruarmanifest¬ę von 1899 gipfelte, das die finnische Autonomie beseitigte. Nach der russischen Revolution von 1905 gestand Nikolaus II. die Autonomie wieder zu. Die Landtagsreform von 1906 f√ľhrte einen Einkammerlandtag ein mit allgemeinem und gleichem (auch Frauen-)Wahlrecht. St√§rkste Partei wurde die nach deutschem Vorbild organisierte Sozialdemokratie. Die nach einigen Jahren erneut einsetzende Russifizierungspolitik erwiderten weite Teile der Bev√∂lkerung mit passivem Widerstand.
 
Souveräner Staat:
 
Nach der russischen Februarrevolution 1917 √ľbernahm der finnischen Landtag die Regierungsgewalt, erkl√§rte am 6. 12. 1917 Finnland f√ľr souver√§n und schloss am 7. 3. 1918 einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich. Im Januar 1918 begann ein B√ľrgerkrieg zwischen den b√ľrgerlichen Gruppen Finnlands, den ¬ĽWei√üen¬ę, die von deutschen Truppen (¬ĽOstseedivision¬ę) unter General R. von der Goltz unterst√ľtzt wurden, und den Bolschewisten, den ¬ĽRoten¬ę. Nach dem Sieg der ¬ĽWei√üen¬ę wurde am 12. 12. 1918 deren Befehlshaber, General C. G. Freiherr von Mannerheim, Reichsverweser. Am 17. 7. 1919 trat eine republikanische Verfassung in Kraft, und am 25. 7. 1919 wurde K. J. St√•hlberg zum Staatspr√§sidenten ernannt (Nachfolger: L. K. Relander, 1925-31). Am 14. 10. 1920 wurde mit dem bolschewistischen Russland der Frieden zu Dorpat geschlossen, in dem Finnland das Petsamogebiet am Eismeer erhielt, aber seine Anspr√ľche auf Ostkarelien aufgab. Im Dezember 1920 trat Finnland in den V√∂lkerbund ein. 1921 wurden ihm von diesem die √Ölandinseln zugesprochen.
 
F√ľhrende Partei wurde die Agrarunion. Ministerpr√§sident K. Kallio setzte 1922 eine Bodenreform durch (¬ĽLex Kallio¬ę). Ein kommunistischer Aufstandsversuch scheiterte 1923. Seit 1929/30 gewann die b√§uerlich-nationalistische, antiparlamentarische Lappo-Bewegung Einfluss auf die Gesetzgebung (antikommunistische Gesetze von 1930); ihre Putschversuche schlugen fehl. Danach begann eine Periode wirtschaftlichen Aufschwungs. Staatspr√§sidenten waren P. E. Svinhufvud (1931-37), Kallio (1937 bis 1940) und R. Ryti (1940-44). Seit 1933 war die Sozialdemokratie st√§rkste politische Kraft.
 
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Finnland im November 1939 von der UdSSR angegriffen, die die Abtretung strategisch wichtiger Gebiete gefordert hatte. Im Finnisch-Sowjetetischen Winterkrieg suchte sich Finnland zu behaupten, musste aber im Frieden von Moskau (12. 3. 1940 Westkarelien, das Sallagebiet und den finnischen Teil der Fischerhalbinsel abtreten sowie den St√ľtzpunkt Hanko verpachten. 1941 nahm Finnland auf deutscher Seite am Krieg gegen die UdSSR teil (¬ĽFortsetzungskrieg¬ę); im Waffenstillstand von 1944 und im Frieden von Paris (10. 2. 1947 musste es dieselben Gebiete wie 1940 an die UdSSR abtreten; Hanko wurde gegen Porkkala ausgetauscht. 1944-46 war Mannerheim Staatspr√§sident. Das Land, das unbesetzt blieb, erholte sich unter Staatspr√§sident J. K. Paasikivi (1946-56) rasch von den Kriegsfolgen (bis 1952 Erf√ľllung der Reparationsforderungen von 300 Mio. Dollar) und konnte seine Selbst√§ndigkeit bewahren. Ins Zentrum der finnischen Au√üenpolitik r√ľckte die Entwicklung eines gutnachbarlichen, konfliktfreien Verh√§ltnisses zur Sowjetunion, dem ein 1948 mit ihr abgeschlossener ¬ĽVertrag √ľber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand¬ę diente (1955, 1970 und 1983 verl√§ngert, bis 1990 in Kraft). Dieser au√üenpolitischer Kurs, nach seinen ma√ügeblichen Vertretern, den Pr√§sidenten Paasikivi und U. K. Kekkonen (1956-81), als ¬ĽPaasikivi-Kekkonen-Linie¬ę bezeichnet, verband sich mit einem Ausbau der Beziehungen zu den skandinavischen L√§ndern (1955 Beitritt zum Nord Rat) und zu den westeurop√§ischen Staaten (1961 assoziiertes Mitglied der EFTA, 1974 In-Kraft-Treten des Handelsvertrages mit der EWG). 1969 ging von Finnland der Vorschlag f√ľr die Einberufung einer europ√§ischen Sicherheitskonferenz (KSZE) in Helsinki aus. Amtsnachfolger von Pr√§sident Kekkonen wurde M. Koivisto (1981-82 amtierendes Staatsoberhaupt, nach seiner Wahl 1982-94 Staatspr√§sident).
 
Neben der Zentrumspartei (bis 1965 Agrarunion) war v. a. die Sozialdemokratische Partei immer wieder an der Regierungsbildung beteiligt (ausgenommen 1962-66). Das ab 1982 regierende Koalitionskabinett unter dem Sozialdemokraten K. Sorsa wurde 1987 durch eine Regierung aus Nationaler Sammlungspartei, Sozialdemokraten, Schwedische Volkspartei und Finnische Landvolkpartei unter H. Holkeri (Nationale Sammlungspartei) abgelöst. Die Zentrumspartei wurde erstmals nach 50 Jahren in die Opposition verwiesen. Aus den Parlamentswahlen 1991 ging sie jedoch als stärkste Partei hervor und bildete zusammen mit den Konservativen, der Schwedischen Volkspartei und der Christlichen Union eine Koalitionsregierung unter Ministerpräsident E. Aho. Anstelle des mit Auflösung der Sowjetunion gegenstandslos gewordenen Freundschafts- und Beistandspakts schlossen Finnland und Russland im Januar 1992 einen neuen Grundlagenvertrag. Am 18. 3. 1992 stellte Finnland einen Antrag auf Aufnahme in die EG. Nach Abschluss der Beitrittsverhandlungen (März 1994) trat Finnland zum 1. 1. 1995 der EU bei.
 
Im Januar/Februar 1994 (zweiter Wahlgang am 6. 2. als Stichwahl) fand die erste Direktwahl des finnischen Staatspr√§sidenten statt; gew√§hlt wurde der Sozialdemokrat M. O. Ahtisaari (Amtsantritt 1. 3. 1994). Dieser erreichte als EU-Vermittler im Juni 1999 zusammen mit dem russischen Sonderbeauftragten W. S. Tschernomyrdin die Annahme eines Friedensplans der G-8-Staaten durch die Bundesrepublik Jugoslawien zur Beendigung des Kosovokonflikts. Die Reichstagswahlen vom 19. 3. 1995 gewannen die Sozialdemokraten; ihr Vorsitzender Paavo Lipponen wurde am 13. 4. 1995 Ministerpr√§sident einer breiten F√ľnfparteienkoalition (¬ĽRegenbogenkoalition¬ę aus SDP, KOK, VAS, SFP/RPK und Gr√ľnen). Bei den Parlamentswahlen vom 21. 3. 1999 konnten die Sozialdemokraten trotz Stimmverlusten ihre Position als st√§rkste politische Kraft behaupten; das von Lipponen gef√ľhrte F√ľnfparteien-Koalitionskabinett setzte nach einer geringf√ľgigen Regierungsumbildung seine Arbeit fort (Neuvereidigung am 15. 4. 1999). In den Pr√§sidentschaftswahlen 2000 konnte sich die sozialdemokratische Au√üenministerin Tarja Kaarina Halonen am 6. 2. mit 51,6 % der Stimmen gegen√ľber E. Aho (Zentrumspartei) durchsetzen; mit Halonen trat am 1. 3. 2000 erstmals in Finnland eine Frau das Amt des Staatsoberhaupts an.
 
 
Suomi. A general handbook on the geography of Finland, hg. v. der Geographical Society of Finland (Helsinki 1952);
 
F., hg. v. W. Nigg u. a. (21973);
 K. H. Stone: Northern Finland's post-war colonizing and emigration (Den Haag 1973);
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 B. Butzin: Die Entwicklung Finnisch-Lapplands (1977);
 B. Butzin: F.s Bev. im Wandel (1982);
 D. G. Kirby: Finland in the twentieth century (London 1979);
 I. Bátori: Russen u. Finnougrier (1980);
 L. A. Puntila: Polit. Geschichte F.s 1809-1977 (a. d. Finn., Helsinki 1980);
 
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 M. Jokipii: F. u. Dtl. im 20. Jh. (Kuopio 1994);
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 M. A. Vuollo: Der Wandel der finn. Neutralitätspolitik. Außen-, sicherheits- u. integrationspolit. Tendenzen 1970-1995 (1996);
 
Geographical Survey of Finland, hg. v. S. Autio (Espoo 1997).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Finnland: Weg zur Souveränität
 
Finnland: Unabhängigkeit im Schatten der Sowjetunion
 
Europa: Die Teilung Europas nach 1945
 
Neutralität: Die neutralen Staaten Europas
 

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FiŐ£nn|land, -s: Staat in Nordeuropa.

Universal-Lexikon. 2012.

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